2001 Das Heimatfest

Wenn Opa Lorenz das Motorrad seines Enkels Stefan im Wohnzimmer repariert und das Hercules startet, dröhnt im Saal nicht nur der Motor sondern auch der Applaus des Publikums. Die zehn Darsteller geben ihr Bestes und die Zuschauer kommen voll auf ihre Kosten. Lachen muss gesund sein - so macht das Dorftheater dem Höhenluftkurort alle Ehre in Sachen Gesundheitstraining.

Ganz anders als erwartet, begann das Stück nicht auf der Bühne, sondern Opa Lorenz (Erich Ritscher) rollte das Geschehen vom Saal aus auf und weihte die Zuschauer, natürlich vertraulich , in so manches Geheimnis ein. Besser ein bisschen hinken und jammern, als sich krumm zu arbeiten, ist seine Devise und dass er mit seiner gespielten Schwerhörigkeit besonders Arbeit und Ärger ausweichen kann, blieb während der Aufführung niemand verborgen. Immer wieder mischt Opa Kramlinger mit, wenn es um die "Kur" für seine Schwiegertochter, der Bürger-meisterin geht. Hermine Kramlinger (Karin Mader) will wiedergewählt werden und träumt gar von einem Sitz im Land- tag. Sie plant ein großes Heimatfest anlässlich der 1150-Jahrfeier ihrer Gemeinde "Wintersulgen" und engagiert hierfür eigens einen Festmanager. Dieser verdreht ihr den Kopf und so schwärmt die Bürgermeisterin von ihrem Herrn Lauritz (Bernhard von Stryk) und bemerkt nicht, dass sie einem Betrüger auf den Leim geht. Ja aus Liebe und Zu-neigung greift sie sogar in die Gemeindekasse um den Vorschuss für die Filder Spatzen zu bezahlen. Georg Kramlinger (Josef Moßbrucker) wird wie der Rest der Familie zur Hausarbeit eingeteilt. Kochen, Spülen, Bügeln, Putzen, alles ist zur Männerarbeit geworden. Auch Dorfhelferin Ursula (Margit Geiger) und Knecht Hans (Siegfried Blum) werden für Gemeindearbeiten eingeteilt. Bäume für die Sennerei-Schläge-Parkplätze müssen gepflanzt werden. Befehlsausgabe der Bürgermeisterin, eine mit viel Beifall belohnte Szene, denn militärisch werden alle an die Arbeit geschickt Hans sieht sich Eskapaden seiner Geliebten ausgesetzt, steigt ihr doch der Aufstieg zur Gemeindesekretärin etwas in den Kopf. Als Erziehungsmaßnahme legt Hans sich seine Ursel übers Knie. Der schnelle Gemeindekämmerer Martin Söllner (Stefan Schmieder) hat Probleme mit abfallenden Nadeln an den Festabzeichen und weiß nicht wie er den fehlenden Betrag aus der Gemeindekasse verbuchen soll, hat der Dieb doch keine Quittung in die Kasse gelegt. Stefan (Lothar Becker) hat sich als Sohn der Bürgermeisterin mit Kathrin (Edith Kretzer) der Rocker-braut die falsche Braut ausgewählt. Dass man bei Wahlen auf dem Lande auch auf das Äußere achtet und dieses wahlentscheidend sein könnte, befürchtet Hermine, die ihren Stefan lieber mit Lena, der Tochter von Nachbarin Gretl (Carmen Grießhaber) verheiraten würde. Hier würde nicht nur die Mitgift und Aussteuer stimmen, es würde sogar der größte Hof in der Region entstehen, was auch Georg wohlwollend sinniert. Landrat Lohmeier (Lothar Becker) als Schirmherr für das Heimatfest ausgewählt besucht die Kramlingers und macht nicht nur mit der Bürgermeisterin, sondern auch mit dem schlitzohrigen Opa Bekanntschaft. Da können wir beim Heimatfest schon ein paar "Tann-Zäpfchen" trinken, freut sich Opa Lorenz und rät die Kosten halt auch noch den Müllgebühren zuzuschlagen, diese seien doch schon eine reine Luxussteuer.

Kurzweilig geht das Heimatfest über die Bühne und trotz vieler Pannen im Vorfeld kann Hermine am Schluss ihr Fest mit dem Bieranstich eröffnen. Bei der Osterbeichte die ihr Opa Lorenz und Ehemann Georg abnehmen, verspricht sie, sich wieder um den Haushalt zu kümmern und die Kandidatur zum Landtag als Traum abzuschreiben. Mit Bravour brachten die zehn Laienspieler des Wintersulger Dorftheaters am zweiten Weihnachtstag ihre Premiereaufführungen über die Bühne. Gekonnt, stark in Mimik und Gestik, wurden die Rollen sehr gut ausgefüllt und auch das örtliche Geschehen wurde geschickt ins Stück eingebaut. Mit großem Applaus wurden auch die Leistungen des Bühnenbauers, Manfred Fritz, belohnt. Liebevoll und perfekt gestaltete Wohnküche und Festplatz tragen zum guten Gelingen des Heimatfestes bei.

Mit einem Ständchen, Blumen und einem Gutschein für eine Theateraufführung dankte das Dorftheater seiner Regisseurin Margit Lorenz für 20 Jahre aktive Mitarbeit. Sie war es auch, die den Abend mit der Begrüßung eröffnete und mit dem Dank an Spieler, Helferinnen und Helfer beendete