2002 Zwei Herren spielen Dame

Da hat sich Emil (Erich Ritscher) als Vertreter für Damenunterwäsche endlich mal einen freien Tag geschaffen, schon soll er von seiner Schwester Emma (Margit Straßburger) in deren Gastwirtschaft "Zum Feurigen Stier" auch noch vor deren Karren gespannt werden und "Frondienste" leisten. Emil und Emma spielen ihre Spitzfindigkeiten voll aus und jeder Zuschauer spürt die "überwältigende Geschwister-liebe". Als auch noch Thaddäus (Sepp Moßbrucker) der Bäckermeister und der korrekte Beamte Otto (Sigi Blum) am helllichten Tag Bier trinken und Emil wieder nicht aufräumt, kann man Emma in Hochform erleben. Kein Wunder, dass Emil es bei diesem leibhaftigen Dachen nicht aushält und gemeinsam mit Thaddäus von einem früheren Italienurlaub träumt.

Auf der Suche nach ihrem leiblichen Vater quartiert sich unverhofft Silvia del Puzzi (Petra Dold) im "Feurigen Stier" ein. Emil und Thaddäus erinnern sich an eine heiße Romanze in Riccione mit der temperament-vollen Maria Hasenbein (Carmen Grießhaber) und befürchten, für zwanzig Jahre Alimente nachzahlen zu müssen. Um sich unkenntlich zu machen, will sich Thaddäus sogar die Nase abschneiden und Emil will für 14 Tage auf Tour gehen. Doch da hat Robert (Bernhard von Stryk) ein Gast im "Feurigen Stier" die zündende Idee. Er rät den beiden sich zu verkleiden und Dame zu spielen.

Während sich Wolfi (Martin Senn) Emmas Neffe, im "Feurigen Stier" mehr und mehr der jungen Silvia del Puzzi zuwendet, verliebt sich seine Ver-lobte Traudel (Marlene Rock) in den Gast Robert. Es spielen sich köstliche Liebes- und Eifersuchts-szenen ab und Wolfi überlegt sogar, mit Silvia nach Italien zu reisen. Robert hingegen springt als Bäcker in der Backstube von Thaddäus ein, weil dieser plötzlich verschwunden ist.

In einer Glanzrolle erscheint immer wieder der korrekte Beamte Otto. Er kann seine heimliche Liebe zu Emma, der Wirtin, nicht länger verbergen. Verwirrt zeigt er sich dennoch bei Emmas kratzbürstigen Auftritten gegenüber den Sauf-kumpanen Emil und Thaddäus. Wenn "Emilie" und "Thaddora" die Bühne betreten, bleibt kein Auge mehr trocken. Die gelungene Maskerade und der tollpatschige Versuch, Dame zu spielen, reißen die Zuschauer vom Hocker. In einem Wechselspiel mit Damen- und Herrenstimme erreicht der Schwank einen seiner Höhepunkte. Doch wer ist der Vater von Silvia del Puzzi? Maria del Puzzi, die reiche Italienerin, hat des Rätsels Lösung in der Tasche. Nicht Emil und Thad-däus, sondern der unscheinbare, stets korrekte Beamte Otto kann am Millionenerbe seiner Tochter Silvia teilhaben und sich über eine völlig unerwartete Vaterschaft freuen. Seine Liebeserklärung an Emma missglückt ihm, weil ihn Maria als alten Liebhaber entlarvt. Emma streitet sich mit Maria um den Verlobungsstrauß und Emil bemerkt: "Pass auf Otto: Liebe macht blind, aber wenn du erst mal verheiratet bist, gehen dir die Augen schon wieder auf".

Als kurzweilige Verwechslungskomödie geht das Stück:"Zwei Herren spielen Dame" über die Bühne und schließlich bekommt Silvia ihren richtigen Vater und Emma ihren Otto zum Ehemann, auch wenn es Emil und Thaddäus dabei fast die Sprache verschlägt. Die neun Laienspieler des Wintersulger Dorftheaters brachten ihre Aufführungen am zweiten Weihnachtstag mit Bravour über die Bühne. Die Rollen waren gut verteilt und den Spielern geradezu auf den Leib geschneidert. Mit großem Applaus wurden auch die Leistungen der Bühnenbauer , Manfred Fritz, Sascha Bärenbold und Armin Jäger, belohnt. Die Gaststube des "Feurigen Stiers" stach ins Auge und bot die ideale Kulisse für dieses herrlich unterhaltsame Bühnenstück. Regisseurin Margit Lorenz und Souffleur Georg Matt haben bei der Auswahl des Schwanks, von Wilfried Reinehr, einen guten Griff getan und es bestens verstanden, das Stück in netter, heimatlicher Plattform einzustudieren. Der Wintersulger Gemeindesaal war bereits zur Kinderund Seniorenaufführung am Nachmittag gut besucht und abends ausverkauft. Die Theateraufführungen sind eine großartige Bereicherung des Heiligenberger Kulturlebens und besonders zur Weihnachtszeit ein Highlight für Bevölkerung und Gäste.